6.000 Kilometer zur Prothese

Es geschah im März 2023: Abdoulie M. wurde in seiner Heimatstadt Banjul im westafrikanischen Staat Gambia von einem Auto angefahren. Schon nach kurzer Zeit war klar, dass er sein linkes Bein oberhalb des Knies verlieren würde. Doch Abdoulie hatte Glück im Unglück. Sein Bruder ist Arzt und stand in Kontakt mit der Sehn-Gam Klinik in der Stadt Jambanjelly in Gambia. Die vermittelte ihm den Kontakt zu Optimus, da der Leiter dort sich sicher war, dass Abdoulie hier am besten mit einer Prothese versorgt werden könne. Also flog er ein Jahr nach seinem Unfall zu uns – 6.000 Kilometer nach Norden. „Ich hatte großes Glück, dass mein Arbeitgeber die Kosten für meine Behandlung in Deutschland übernommen hat“, sagt der Familienvater.

Prothese sitzt perfekt

Die Prothese wurde bei Optimus von Orthopädietechnikmechaniker-Meister Artur Laufer angefertigt und genau für Herrn M. angepasst, sodass er ohne Schmerzen und Druckstellen gehen kann. „Es war wichtig, dass Herr M. eine Versorgung bekam, mit der er auch in Zukunft gut laufen kann“, sagt, Laufer. „So gibt es etwa große Unterschiede bei der Aufnahme des Stumpfes. Ein Silikonliner zwischen Stumpf und Aufnahme ist die Königsklasse. Der Liner wäre jedoch ein Verschleißteil und müsste jedes Jahr ausgetauscht und neu angepasst werden – und kostet rund 1.000 Euro“, erklärt der Meister.

Möglichkeiten in Gambia begrenzt

Leider sind die Möglichkeiten für eine solch hochmoderne Behandlung in Gambia sehr begrenzt. Die Weltgesundheitsorganisation gibt an, dass überhaupt nur einer von zehn Menschen mit körperlichen Behinderungen in den Entwicklungsländern Zugang zu Technologien hat, die sie unterstützen könnten. Deshalb entschieden sich M. und Laufer für einen sogenannten „längsovalen Vollkontaktschaft“. Ein glattes Segeltuch hilft M. dabei, den Stumpf in den Schaft zu führen. Das Tuch wird nach unten weggezogen, ein Ventildeckel verschlossen – und die Prothese sitzt fest. Sie kann so viele Jahre ohne weitere Wartung verwendet werden.

Acht Wochen Training

Abdoulie M. war für acht Wochen zu Gast in Langen – denn mit der Prothese allein ist ja nicht getan: Er musste das Gehen trainieren, täglich in unserem angeschlossenen Therapiezentrum Neuron. Die Physiotherapeutinnen Lea Domschke und Leonie Kautz unterstützten ihn dabei. Nun, nach Abschluss der Behandlung, kann Herr M. problemlos mit der Prothese gehen.

Glückliche Rückkehr

„Es ist ein tolles Gefühl, wieder laufen zu können. Und ich bin sicher, dass ich in meiner Heimat ein Stück meines alten Lebens zurückbekomme“, sagt Abdoulie M. „Diese Prothese gibt mir ein Stück Unabhängigkeit zurück – und wird mir helfen, noch produktiver zu arbeiten und auch meinem Land etwas zurückzugeben.“

Inzwischen ist er wieder gut in seiner Heimat angekommen – und läuft nun auf afrikanischem Boden.